Buddhistische Begriffe hautnah erklärt

Im Folgenden findest Du nach und nach wichtige Begriffe des Zen-Buddhismus alphabetisch gelistet.

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Karma I
"Ursache und Wirkung
"
Zusammenfassung eines Vortrags
von Zen-Meister Thich Giac Hanh 

Der Ehrwürdige Thich Giac Hanh verfügt über die ganz besondere Fähigkeit, den Menschen tief ins Herz zu schauen!

Mehr als 90 Jahre alt, strahlt er eine wunderbar klare Präsenz aus, seine jugendliche Stimme zieht jeden im Raume in seinen Bann.

In seinem einführenden Vortrag erklärt er präzise und prägnant das Naturgesetz von Ursache und Wirkung anhand vieler Beispiele: Egal, was wir tun, jede Handlung, jedes gesprochene Wort, jeder Gedanke erzeugt eine Wirkung und er empfiehlt uns, uns dessen jederzeit bewußt zu sein und achtsam darauf zu schauen, was wir tun, sprechen und denken.

Ständig erzeugen wir energetische Knoten, das können heilsame Knoten sein mit friedvollen Folgen oder unheilsame mit schlimmen Folgen. Aus all diesen Knoten entsteht ein Netz vergleichbar einem Fischernetz, dies Netz kann uns tragen oder gefangen halten, je nach der Qualität der Knoten.

Nachdrücklich weist er uns darauf an hin, dass es unsere Verantwortung ist, wie unser Leben verläuft, dass wir selbst für unser Glück oder Unglück verantwortlich sind.

Im Anschluss daran beantwortet er Fragen - er erkennt bei jedem Fragesteller, welche Bedingungen, welche Ursachen, welches Karma ihn prägt und gibt wertvolle Hinweise, wie dies aufgelöst werden kann. Im folgenden einige seiner Antworten, verkürzt wiedergegeben:

- Du trägst etwas sehr Wertvolles in dir, aber du du hast dies leider vergessen und er empfiehlt der Fragestellerin, in die Stille zu gehen, in sich hinein zu horchen, um es wieder zu finden.

- Lerne, das Leben zu genießen, genieße das, was du hast. Du hast in diesem und früheren Leben sehr viel Schweres erlebt, jetzt bist du ständig auf der Suche, wenn du aber so weiter machst, wirst du nie bei dir ankommen. Genieße das hier und jetzt, nur so wirst du dein Glück finden.

- Suche kein Idol, es gibt keine Vollkommenheit, akzeptiere den Mann, der kommen wird, in seiner Unvollkommenheit, dann wirst du auch seine guten Seiten kennen lernen.

- Ich sehe bei dir und in deiner Familie viele Verstrickungen und Themen, die nicht aufgearbeitet sind, davon kommt auch die Leere in dir, die du empfindest. Und er empfiehlt der Fragenden, wohltätige Taten auszuüben, und täglich zu meditieren und erklärt ihr genau die Methode, mit der sie meditieren soll.

- Du hast in früheren Leben deine Macht in Liebe, Beziehungen und im Beruf missbraucht und brauchst dich nicht zu wundern, dass du jetzt viele Hindernisse und Konflikte hast und Geldverlust.

Du musst die Kontrolle loslassen und demütig sein.

- Du stehst tief in der Schuld deiner Kinder und Enkel, da sind Verstrickungen aus früheren Leben. Wandle die Hass-Energie in Liebe.

 

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Karma II

Was ist eigentlich „Karma“?

Der Begriff ist längt im Volksmund angekommen. Aber gebrauchen wir ihn richtig und wissen, was damit wirklich gemeint ist und wie Karma funktioniert?

 

Im buddhistischen Sinne ist unser aller Ziel die Einheit. Das Gegenteil hiervon sind die Trennung und das Getrenntsein – voneinander und vom Leben. Die Trennung ist schmerzhaft. Und damit ist nicht allein der Schmerz der Trennung von Menschen gemeint, sondern der Trennungsschmerz, den wir empfinden, weil wir nicht mit unserer wahren Essenz verbunden sind.

 

Warum sind wir von unserer Essenz getrennt? Weil wir anhaften. Karma ist die Anhäufung unserer Anhaftungen. Ohne Anhaftungen gibt es kein Karma. Aber was sind überhaupt Anhaftungen? Immer, wenn wir meinen etwas zu brauchen, um uns selbst zu definieren und zu spüren, häufen wir an: Wir wollen einen bestimmten Partner in unserem Leben, fühlen uns nur in einer Beziehung und Kindern innerlich komplett und wenn wir allein sind, haben wir das Gefühl, als seien wir „unvollständig“. Aber damit nicht genug – wir häufen unzählige Gegenstände in unserem Leben an und meinen, dass diese zu uns gehören und wir uns erst dann spüren können, wenn wir diese um uns scharen; eine große Wohnung, das neue Smartphone, und so weiter, aber auch Wissen, Angst, Schuld, Faulheit oder Freunde können Anhaftung begründen. Wir alle haften auf die ein oder andere Art an.

 

Wie können wir also einen ersten Schritt heraus aus unseren Anhaftungen in Richtung unserer Essenz gehen? Der erste Schritt ist, unsere Aufmerksamkeit weg von all den Nebenkriegsschauplätzen des Lebens und hin zur Quelle zu richten.

 

Unser Herz ist der Zugang zu unserer Essenz. Unser Herz will lebendig sein, muss hierzu jedoch gleichzeitig auch verletzlich sein. Meist verwenden wir viel Mühe darauf, unsere Verletzlichkeit zu verschleiern und zu unterdrücken. Je mehr wir die Verletzlichkeit jedoch beschützen, desto weniger kommen wir in die Lebendigkeit. Das ist das Dilemma. Kinder sind lebendig und gleichzeitig sehr zerbrechlich. Die Herausforderung Deines Lebens besteht darin, das Gleichgewicht zwischen Lebendigkeit und Verletzlichkeit zu finden. Das eine ist ohne das andere nicht möglich: So sehr wir uns eine Lebendigkeit ohne Verletzlichkeit auch wünschen mögen – sie ist nicht möglich. Das unvergleichlich schöne Gefühl zu leben kommt aus unserem Herzen, nicht dem Verstand. Und nur ein weiches Herz, das auch verletzt werden kann, kann leben. Die Ratio versucht Verletzlichkeit und damit potenzielle Schmerzen zu vermeiden, indem sie plant, sortiert, typisiert und strukturiert. Und trotzdem schaffen wir es nicht Schmerzen gänzlich zu vermeiden. Wir verstärken dadurch nur unser Gefühl der Trennung. Wollen wir unser Leben verändern, brauchen wir Zugang zu unserer Verletzlichkeit.

 

Über ein verletzliches Herz können wir schrittweise unsere Anhaftungen erkennen und transformieren. Unser Karma ist nämlich gleichzeitig unser Potenzial: Erkennen wir unser individuelles Karma, können wir hierüber den Weg in die Einheit finden.

Selbstliebe und Liebe

Umarme Dich und die Liebe wird fließen
Du kannst dich nur selbst lieben, wenn du bereit bist, deine schmerzhafte Vergangenheit loszulassen. Nur so kannst du das Glück empfangen.
Du kannst dich nur selbst lieben, wenn du bereit bist, die Gedanken, die dich fertig machen, zu unterbrechen. Nur so wirst du merken, wie wundervoll du bist.
Du kannst dich nur selbst lieben, wenn du bereit bist, tief in Dich zu schauen und zu erkennen, dass das Glück in dir und unmittelbar um dich herum ist. Nur so wirst du merken, dass dein Leben lebenswert ist.
Übe immer wieder, dich selbst zu lieben, indem du Grenzen setzt, wenn etwas für dich zu viel ist. Lerne jeden Tag ein bisschen mehr, dass du liebenswert bist und du nichts dafür machen musst, um Liebe zu erhalten.

Entwicklung der Selbstliebe in 3 Stufen

Wenn Du Dich noch intensiver mit dem Thema  beschäftigen willst, sind dir die folgenden vertiefenden Ausführungen von Zen-Meister Thay Thien Son ans Herz gelegt:

1. Stufe - Die Liebe zu einem anderen
Da wir sehr oft nicht erkennen, was wir brauchen, versuchen wir es zuerst mit dem Einfordern der Liebe von einem anderen: „Ich brauche deine Liebe.“
Was für eine Liebe vom anderen meine ich zu brauchen? Was kann ich dem anderen geben?
Beides ist oft nur Kopfsache. Es geht uns um Sicherheit. Wir möchten die andere Person an uns festbinden. Aber das erzeugt nicht unbedingt Stabilität. Der andere spürt, dass es mir mehr um mich geht und weniger um ihn. Was ich brauche, ist wie ein Fass ohne Boden. Der andere fühlt sich gezwungen und überfordert: Gibt er mir diese Liebe nicht, kommt er in Schuldgefühle.

2. Stufe - Die Liebe zu mir selbst
Mich selbst lieben – wie geht das? Oft verwechseln wir Selbstliebe mit sinnlichen Vergnügungen – Gut Essen, Trinken, Sehen, Fühlen, usw.. Das ist aber eigentlich nur die Suche nach dem Wohlbefinden eines Kindes.
Die Selbstliebe entwickeln wir durch folgendes:
- sich selbst Anerkennung zu geben
- stolz auf sich zu sein, was man geschafft hat
- und sich selbst die Chance zu geben, sich neu zu erfahren.
Dadurch entsteht das Gefühl „das Leben ist großartig“ und wir sind schon gut auf dem Weg voran gekommen.
Zur vollkommenen Entwicklung der Selbstliebe müssen wir noch in die 3. Stufe gehen.

3. Stufe - Wir sind die Liebe
Was nützt mir die Liebe und die Selbstliebe, wenn ich ganz allein und einsam bin?
Also muss ich 3 Dinge lernen:
Mein Herz zu öffnen
das heißt
- die Angst zu überwinden
- mich zu zeigen
- anzunehmen, was angeboten wird.
Das bedeutet: In unserer Liebesbeziehung offen und dankbar zu sein für das, was der Andere mir gibt, aber nicht mehr verlangen. In dieser offenen Haltung Raum geben für beide, weil jeder sich zeigen darf wie sie / er ist.
Fordere ich mehr, schnappt der andere zu... Beide verlangen nach noch mehr und fühlen sich vereinnahmt und haben Angst, sich ehrlich zu zeigen.
- Auf die eigenen Instinkte hören und vertrauen - d.h. alles, was ich erfahre, ist richtig.
Den Menschen auf Augenhöhe begegnen.
- Dadurch Respekt und Wertschätzung schaffen und
- dafür sorgen, dass wenig Konflikte im Außen sind.
Buddhistisch gesprochen: Ich habe ein positives Karma-Umfeld erzeugt.
Menschlich gesprochen: Ich habe ein positives Umfeld geschaffen, so dass wenig Probleme entstehen.
Das gehört alles zur Selbstliebe.
Wir lieben uns selbst und möchten nicht im Außen ständig Probleme haben.

********* Vertiefe diese Ausführungen, indem Du Dich mit den folgenden Fragen beschäftigst:
1. Stufe:
Was für eine Liebe brauche ich – was für eine Liebe gebe ich?
2. Stufe:
Was berührt mein Herz am meisten?
Genau DAS, was berührt, brauchst du – du brauchst nicht mehr. Z.B. den einen Moment, wo man einander in die Augen schaut und tief berührt ist. Oder wenn man die Hände anfasst und spürt: ich bin angekommen.
3. Stufe:
Was ist das Wertvollste am Mitmenschen?
Wenn man die Frage sehr persönlich beantwortet, sieht man das sofort, z.B. das Wertvollste an meinem Ehemann – oder an meiner Freundin...