Buddhistische Begriffe verständlich erklärt

Was ist eigentlich „Karma“?

Der Begriff ist längt im Volksmund angekommen. Aber gebrauchen wir ihn richtig und wissen, was damit wirklich gemeint ist und wie Karma funktioniert?

 

Im buddhistischen Sinne ist unser aller Ziel die Einheit. Das Gegenteil hiervon sind die Trennung und das Getrenntsein – voneinander und vom Leben. Die Trennung ist schmerzhaft. Und damit ist nicht allein der Schmerz der Trennung von Menschen gemeint, sondern der Trennungsschmerz, den wir empfinden, weil wir nicht mit unserer wahren Essenz verbunden sind.

 

Warum sind wir von unserer Essenz getrennt? Weil wir anhaften. Karma ist die Anhäufung unserer Anhaftungen. Ohne Anhaftungen gibt es kein Karma. Aber was sind überhaupt Anhaftungen? Immer, wenn wir meinen etwas zu brauchen, um uns selbst zu definieren und zu spüren, häufen wir an: Wir wollen einen bestimmten Partner in unserem Leben, fühlen uns nur in einer Beziehung und Kindern innerlich komplett und wenn wir allein sind, haben wir das Gefühl, als seien wir „unvollständig“. Aber damit nicht genug – wir häufen unzählige Gegenstände in unserem Leben an und meinen, dass diese zu uns gehören und wir uns erst dann spüren können, wenn wir diese um uns scharen; eine große Wohnung, das neue Smartphone, und so weiter, aber auch Wissen, Angst, Schuld, Faulheit oder Freunde können Anhaftung begründen. Wir alle haften auf die ein oder andere Art an.

 

Wie können wir also einen ersten Schritt heraus aus unseren Anhaftungen in Richtung unserer Essenz gehen? Der erste Schritt ist, unsere Aufmerksamkeit weg von all den Nebenkriegsschauplätzen des Lebens und hin zur Quelle zu richten.

 

Unser Herz ist der Zugang zu unserer Essenz. Unser Herz will lebendig sein, muss hierzu jedoch gleichzeitig auch verletzlich sein. Meist verwenden wir viel Mühe darauf, unsere Verletzlichkeit zu verschleiern und zu unterdrücken. Je mehr wir die Verletzlichkeit jedoch beschützen, desto weniger kommen wir in die Lebendigkeit. Das ist das Dilemma. Kinder sind lebendig und gleichzeitig sehr zerbrechlich. Die Herausforderung Deines Lebens besteht darin, das Gleichgewicht zwischen Lebendigkeit und Verletzlichkeit zu finden. Das eine ist ohne das andere nicht möglich: So sehr wir uns eine Lebendigkeit ohne Verletzlichkeit auch wünschen mögen – sie ist nicht möglich. Das unvergleichlich schöne Gefühl zu leben kommt aus unserem Herzen, nicht dem Verstand. Und nur ein weiches Herz, das auch verletzt werden kann, kann leben. Die Ratio versucht Verletzlichkeit und damit potenzielle Schmerzen zu vermeiden, indem sie plant, sortiert, typisiert und strukturiert. Und trotzdem schaffen wir es nicht Schmerzen gänzlich zu vermeiden. Wir verstärken dadurch nur unser Gefühl der Trennung. Wollen wir unser Leben verändern, brauchen wir Zugang zu unserer Verletzlichkeit.

 

Über ein verletzliches Herz können wir schrittweise unsere Anhaftungen erkennen und transformieren. Unser Karma ist nämlich gleichzeitig unser Potenzial: Erkennen wir unser individuelles Karma, können wir hierüber den Weg in die Einheit finden.